Bergbau

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Die Grube Holzappel
und ihre zweihundertjährige Bergbaugeschichte - 1751 bis 1952
Die Grube Holzappel mit ihren Fördertürmen und großen Bergehalden prägte lange Zeit das Bild der heimatlichen Landschaft. Nach zweihundertjähriger Betriebstätigkeit jedoch wurde die Grube Holzappel im Jahre 1952 wegen Erschöpfung der früher so reichen und jetzt nach der Teufe hin immer mehr in Quarz übergehenden Erzgänge stillgelegt. Die Grube erreichte zu diesem Zeitpunkt die bisher größte im deutschen Erzbergbau erzielte Teufe von nahezu 1100m.. Nach der Stillegung wurden die gesamten Grubenanlagen abgebaut, die Fördergerüste gesprengt, die Stollen und Schächte gesichert. Heute deuten nur noch wenige Restanlagen und Hinweise auf den einst so bedeutenden Gruben- und Hüttenbetrieb der Grube Holzappel hin. Der folgende Bericht soll die 200jährige Bergbaugeschichte der Grube Holzappel darstellen.
Geologie und Entstehung der Erzlagerstätten
Unser Heimatgebiet zählt zum Bereich des Rheinisches Schiefergebirge, dessen Grundsockel sich vor ungefähr 320 Millionen Jahren in der geologischen Formation des Devon abgelagert  hat. Ein verhältnismäßig flacher Meeresarm zog sich quer durch Deutschland und bedeckte auch unseren heimatlichen Raum. In diesen Trog wurden von Westen her gewaltige Erosionsprodukte eingeschwemmt unter gleichzeitiger Absenkung des Meeresbodens, wodurch Ablagerungen von teilweise mehr als 1000m Mächtigkeit entstanden. So bildeten sich die Sedimente, aus denen sich später Grauwacke, Taunusquarzit sowie Hunsrück- und Lahnschiefer entwickelten. Im Oberdavon und Unterkarbon wurde die Erdkruste auch unseres Raumes durch tektonische Vorgänge gehoben, verschoben ujnd aufgefaltet, sodaß mineralhaltige Lösungen aus tieferen Erdschichten in die sich gebildeten Spalten, Risse und Klüfte eindringen konnten und sie ausfüllten. Aufgrund der hohen Temperaturen im Erdinneren lagerte sich als unterste Schicht der Eisenspat ab, darüber folgten Bleiglanz und Zinkblende und in der obersten Zone befanden sich die silberhaltigen Erze. Im Bereich der unteren Lahn setzten in der Gegend von Holzappel über Bad-Ems bis nach Braubach Gänge auf, die als Hauptminerale neben Bleiglanz und einigen Kupfererzen viel Zinkblende und Eisenspat führten. Es sind die bedeutendsten Lagerstätten dieser Erze im gesamten Rheinischen Schiefergebirge. Auf ihnen entwickelte sich seit alters her, fortschreitend bis zum Jahre 1963, ein aufstrebender Bergbau von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die wichtigsten Gangzüge waren der Emser und der Holzappeler Zug. Auf diesen allein konnten sich die bekannten Gruben, wie Rosenberg, Friedrichssegen, Mercur und Holzappel, entwickeln. In einer Beschreibung über die “im Herzogthum Nassau an der Lahn und dem Rhein aufsetzenden Erzgänge” führt F. Wenkenbach (Berggeschworener zu Diez) 1861 über den Holzappeler Gangzug aus: An bergmännischer Bedeutung übertrifft dieser Gangzug wohl den Emser Zug. Er ist im Nassauischen auf eine Länge von 7 Stunden bekannt und erstreckt sich von Holzappel über Obernhof, den zwischen diesem Orte und Nassau gelegenen District Hollerich, sodann über Geisig und Weyer bis Wellmich. Hier setzt er bei Werlau über den Rhein und ist auf dem linken Rheinufer im Hunsrückgebirge noch auf einer Länge von 7-8 Stunden bekannt. Die bedeutendsten Gruben dieses Zuges im Herzogthum Nassau sind sie Gruben Holzappel bei Dörnberg, Leopoldine-Louise bei Obernhof und Gute Hoffnung bei Wellmich, sowie Gute Hoffnung bei Werlau im Königreich Preussen. Außer den genannten Gruben liegen im Bereich dieser Gangzüge zwischen Braubach und Holzappel zahlreiche Bergwerksfelder, über die nur spärliche Nachrichten vorliegen oder auf denen nur unbedeutende Abbauarbeiten ausgeführt wurden.
Literaturhinweis
Der älteste Bergbau und die Belehnung auf den Holzappeler Gangzug
In manchen Beschreibungen über den Bergbau im Nassauer Land wir die Frage aufgeworfen, ob auch schon die Römer im Holzappeler Raum nach Erzen geschürft hätten. Es gibt hierzu keinerlei Anhaltspunkte oder Hinweie, die eine solche Annahme bestätigen. im Raume Braubach und Ems jedoch hatten die Römer bereits 50 n.Chr. einige “Silberadern” (silberhltiger Bleiglanz) entdeckt und auch abgebaut. Dies ist durch alte Funde von Werkzeugen und auch von örtlichen Hinweisen (Pingen im Emser Wald) eindeutig belegt. Der erste konkrete Hinweis auf den Bergbau des Holzappeler Gangzuges ist die Kappe einer Wettertür, die beim Aufräumen des vom Gelbachtal aus angesetzten Heuwegstollens gefunden wurde und die die einge- schnittene Jahreszahl 1535 trägt. Auch die erste schriftliche, den Bergbau betreffende Nachricht aus dem Jahre 1587 bezieht sich auf den Abbau der Erzgänge bei Weinähr im Gelbachtal, das zur Herrschaft Winden gehörte (Kondominat, in dem der Erzbischof von Trier und der Abt von Arnstein die Majorität hatten). Im- merhin muß der Erzbergbau im Nassauer Land - wozu auch der Eisenstein-Bergbau gerechnet werden muß - um die Mitte des 16. Jahrhunderts schon recht beachtlich gewesen sein, denn die Grafen von Nassau - Katzenelnbogen erließen 1559 eine “Bergordnung”, die auch für das Schaumburger Land galt und allgemein bis 1826 Gültigkeit besaß. Die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaues auf den Holzappeler Gangzug fällt in das Jahr 1743, in der vom Fürsten von Anhalt-Bernburg-Schaumburg und Graf zu Holzappel, Victor Amadeus Adolph, der Prinzessin Leopoldine Louise von Nassau-Diez eine Belehnung auf ein Grubenfeld im “abgesteinten District von der Obernhöfer Gränze... hingleichen bey denen sogenannten Eysenkauten” erteilt worden war. Seitdem führt dieses Feld den Namen “Leopoldine Louise”. Für die Verhüttung dieser Erze waren rechts des die Grenze bildenden Gelbachs die Weinährer Hütte und nicht weit davon entfernt, jedoch auf der anderen Bachseite, die Obernhofer Hütte errichtet worden. Bei dem Abbau vom Gelbachtal aus war man durch Stollenvortriebe und Versuchsschächte dem Gangstreichen gefolgt, das Richtung Holzappel verlief und abbauwürdige Erze versprach. So wurde u.a. 1743 der Leopoldinenschacht neben der “Alten Nassauer Straße” abgeteuft. Außerdem lagen auch Hinweise vor, die auf einen früheren Bergbau schließen ließen. So waren noch Spuren von alten Schächten und Pingen unterhalb der “Roten Wiesen” und im Wald nach Obernhof zu sichtbar. Als nun die Prinzessin Leopoldine Louise auch hier 1751 um die Belehnung weiterer Felder nachsuchte, er- teilte Fürst Victor Amadeus Adolph nicht der Antragstellerin, sondern seinem Sohn Prinz Carl Ludwig eine Belehnung auf die Districte “Johannisheck” ( 300m südlich Holzappel, am Schachtweg) und “Eisenkauten” (zwischen Charlottenberg und Dörnberg). Der Prinz gründete hierauf eine 128teilige Gewerkschaft (Gesell- schaft), an der sich das fürstliche Haus und Prinzessin Leopoldine Louise mit je 16 Kuxen (Kux = Wert- papier über den Anteil an einer bergrechtlichen Gewerkschaft) beteiligten. Diese Belehnung wurde 1752 im Westen bis an die Markscheide von Leopoldine Louise (Gemarkung Obernhof) und im Osten auf den ganzen Scheidter Forst und das nach den Hahner Birken zu gelegene Holzappeler Feld ausgedehnt.
Beginn, Entwicklung, Betrieb und Ende der Grube Holzappel
Im Juli 1751, dem offiziellen Beginn des Bergbaues der Grube Holzappel, wurde mit einer Belegschaft von vier Mann mit dem Aufräumen eines alten Stollens (links, am Anfang des Schachtweges), der den Namen “Sophiestollen” erhielt, begonnen. Als man 6 Lachter (1 Lachter = 2,10m) aufgefahren hatte, - so eine alte Beschreibung -, zeigte sich ein Gesenk, welches ebenfalls aufgeräumt wurde; bei 12 Lachter war man unter einem alten Abbau. Diese Feststellungen zeigen, daß bereits früher hier in diesem Bereich ein Abbau im Stollenbetrieb durchgeführt worden war. Hierüber gibt es jedoch keinerlei nähere Aufzeichnungen oder Zeitangaben. Es kann wohl angenommen werden, daß diese Bergbautätigkeit rund 150 Jahre vor dem urkundlich belegten Beginn der Grube Holzappel liegt. Den Anfangsarbeiten war nicht allzuviel Erfolg beschieden, denn der Gang war rauh und auch nur von geringer Mächtigkeit. Der Betrieb wurde deshalb schon 1754 auf zwei Mann reduziert, dann von 1757 bis 1759 ganz eingestellt. 1760 nahm man die Arbeiten im Sophienstollen wieder auf und legte im gleichen Jahr 400m weiter westlich einen neuen Stollen, den Karlstollen, an. Beide Stollen wurden vorgetrieben, zuerst zwar mit wenig Erfolg, doch dann im Februar 1766 wurde im Karlstollen der Gang von “21 Zoll” Mächtigkeit durchbrochen. Von 1751 bis 1766, also in einem Zeitraum von 15 Jahren, wurden im Ganzen nur 30 Ztr. Scheiderze und eine geringe Menge magerer Pocherze gewonnen. Bis zum Juli 1767 hatte man aber doch so viel Erze abgebaut, daß das erste Schmelzen auf der Obernhofer Hütte stattfinden konnte. Nach den Aufzeichnungen wurden produziert: 215 Mtk. 15 Loth u. 8 Gr. Brandsilber 34 Centn. 78 Pfund Frischblei 11 Centn. Bleiglätte Beschäftigt waren 11 Personen. Die Einnahmen deckten bis dahin noch nicht die Ausgaben. Im Jahre 1768 wurde erstmals mit Gewinn gearbeitet. 1769 wurden bereits nahezu 400 Mrk Silber, 533 Ztr. Weichblei und 56 Ztr. Glätte erschmolzen. Beschäftigt waren zu diesem Zeitpunkt 38 Personen. Für den so erfolgver- sprechenden und aufstrebenden Bergbaubetrieb ernannte der Landesherr 1768 den bis dahin in Obernhof tätigen Obersteiger Johannes Geßert zum Berg-Verwalter sowie 1769 den Steiger Caspar Andreas zum Obersteiger und den Hauer Heinrich Winkler zum Untersteiger.
Die sich nun anbahnenden Abbauerfolge erforderten zweckmäßigerweise eine unmittelbar beim Abbauort gelegene Schmelzhütte. So wurde bereits 1769 ein Poch- und Waschwerk erstellt und das für den Hütten- bau erforderliche Gelände angekauft. 1770 wurde dann die Röst- und Schmelzhütte errichtet. Diese beiden Anlagen befanden sich im heutigen Ortsteil Dörnberg-Hütte. Das für den Betrieb dieser Anlagen erforder- liche Wasser wurde durch den unterhalb von Holzappel fließenden Haselbach geliefert, der als Herrenwie- sen, -Lohmühlen, -Eleonorenteich angestaut war und über eine eigens angelegte Wasserrösche (Wasserrinne) vom Eleonorenteich aus den Anlagen zufloß. Aufgrund seiner Verwendung für die Erzwäsche wurde der Haselbach nun von hier aus bis zur Lahn “Waschbach” oder “Hüttenbach” genannt. Im Herbst 1770 konnte schon das erste Schmelzen auf der neuen Hütte stattfinden. In diesen Jahren ließ der Grubenerr eine Reihe neuer Schächte und Stollen abteufen bzw. auffahren. So schlug man 1772 den Wilhelmsstollen und den Eleonorenstollen im Hüttenbachtal und den Ludwigstollen im Gelbachtal an. Das zugemauerte Mundloch des Eleonorenstollens, gegenüber dem Beginn des Schachtweg- es liegend, ist noch erhalten und gut sichtbar. 1773 wurde mit den Arbeiten am Magdalenenstollen im Gelbachtal und mit den Teufarbeiten am Charlotten- schacht auf der Eisenkaute, in der Nähe des heutigen Zechenhofes, begonnen. 1776 begann man den Amalienstollen und den Josephstollen, die beide im Hüttenbachtal ansetzten. Die Belegschaft stieg von 117 im Jahre 1772 auf 217 im Jahre 1775 an, wovon 88 Mann unter Tage arbeiteten. Die Produktion an Feinsil- ber betrug im Jahre 1775 978 Mark mit einem Wert von 23472 Gulden, worauf eine erste hohe Ausbeute verteilt werden konnte. Vier Schmelzöfen waren zu dieser Zeit in Tätigkeit, zu deren Beheizung die angrenzenden Wälder die nötige Holzkohle lieferten. Die Mauerreste der Brennöfen einschließlich der “Füchse” sind heute noch auf der “Alten Hütte” zu sehen. Die erzielte gute Ausbeute und die damit verbundenen Gewinne führten 1774 zur Erweiterung der Hüttenanlage im Hüttenbachtal und zur Prägung des bekannten “Holzappeler Talers” und “Halbtalers”. Hierbei bezog man sich auf das früher an Peter Melander erteilte Münzrecht. Mit Datum vom 25. Februar 1779 führte der Landes- und Gruenherr Fürst Carl Ludwig die “Holzappeler Hüttenverordnung” ein. Hierin sind genaue Anweisungen über die Schichtzeiten und das pünktliche “anfahren”, über das Verhalten der Hüttenbediensteten zu den Vorgesetzten, über Ordnung und Ehrlichkeit sowie über die Durchführung der Verhüttung selbst festgelegt. Das Betreten der Hüttenanlagen durch “frem- de und verdächtige” Personen war untersagt. “Auch sollen die Hüttenleute, außer ihren Vorgesetzten, niemand vom Hütten und Schmelzwesen und dem Schmelzen selbst, Rat und Antwort geben”. So waren auch einzelne Tätigkeitsabgrenzungen, wie die de “Vorläufer”, “Rohschmelzer” und “Hauptschmelzer” aufgezeigt und festgelegt. In den folgenden Jahren ermöglichten günstige Aufschlüsse die Verteilung hoher Ausbeuten an die Kuxen- eigentümer. Hierbei wurden auch die Freikuxen der Schule, der Kirche, des Landarmenfonds und der Stadt Holzappel berücksichtigt. Die Belegschaft vergrößerte sich, es waren 1780: 3 Berg- und Hüttenoffiziere, 1 Ober- und 2 Untersteiger, 3 Zimmerhauer, 128 Bergleute, 2 Fuhrleute, 2 Berg- und Hüttenschmiede, 1 Hal- densteiger und 25 Ausschläger, 1 Platzknecht, 5 Schmelzer, 6 Schlackenläufer, 1 Pochsteiger, 1 Pocher, 111 Wäschearbeiter und Setzer, 7 Röster und 1 Treib- und Wellenbinder. 1783 brachte man den Neuehoffnung-Schacht (zwischen Zechenhof und Dörnberger Straße, am “Erzweg”) und 1788 den Christinenschacht (350m westlich des heutigen Birkenhofes) nieder. Als wichtigster und bedeutendster Stollen ist der im Jahre 1785 im Lahntal am ehemaligen fürstlichen Schloß in Laurenburg angesetzte Erbstollen zu bezeichnen, der später nach einer Enkelin von Fürst Carl Ludwig “Adelheitstollen” benannt wurde. Gleichzeitig wurde auch der an der heutigen B 417 angesetzte Herminenstollen aufgefahren. Nach 250m vereinigen sich beide Stollen und führen dann in einem geschwungenen Bogen unter der Sohle des Hüttenbachtales zu dem im Jahre 1822 abgeteuften Emma-Ida Schacht hin, wo 1828 nach 43jähriger Bauzeit (Länge 1750m) der Erzgang angeschlagen wurde. Der Adelheidstollen erwies sich in der Folgezeit als besonders wichtig, da er zur Wasserlösung diente und später auch für die Förderung der Erze zur Aufbereitung in Anspruch genommen wurde. Die Fortbewegung der “Hunte” oder “Hunde” (kleiner Förder- wagen) in den Grubenstollen erfolgte durch Grubenpferde. Untertage waren im Grubenbetrieb 2 Pferdeställe eingerichtet.
Der Vortrieb im Adelheidstollen wurde ohne maschinelle Hilfe, nur mit Schlägel und Eisen, ausgeführt. Im Jahre 1800 wurde so ein jährliche Vortriebsstrecke von 42m erreicht, daß sind 3,50m pro Monat. 1952 hingegen, im letzten Förderjahr, schaffte man mit modernen Arbeitsmitteln pro Tag 3,50m beim Auffahren eines Versuchsortes. Diese bergmännischen Arbeiten erforderten von den leitenden Obersteigern und Steigern eine spezielle fachliche Ausbildung. Darüberhinaus erließ der Bergherr, die Standesherrschaft Schaumburg, bei der Übernahme verantwortungsvoller Tätigkeiten besondere Anweisungen, wie aus der “Instruction” bei der Ernennung des Untersteigers Best zum Obersteiger am 21. Oktober 1792 hervorgeht: Nr.1 Muß der Obersteiger Best, und beite Untersteiger Carl Urban, David Bonnet, ein ordentliches Christliches, und anständiges Leben führen, Durchlauchigster Herrschaft Treu, Holt und gegenwärtig sein, derselben Nutzen und besten, auf keine Weise entgegen Handeln, noch dgl. veran- laßen, viehlmehr Ihro Schaden auf alle Weise ab zu wenden suchen. Nebst dem aber muß er seiner Hohen und Löbl. Gewerkschafft und seinen Vorgesetzten alle von einem redlichen und rechtschafen- en Diener schultige Treu und Gehorsam beweisen, und deßen Vortheil und bestens in allen theilen seiner Aufsicht um Augenmerk nehmen, ihren Schaden warnen und abwenden, selbst keinen thun, noch daß dergl. von anderen geschehen, wißentlich gestatten, bei seinen Untergebenen Arbeiter, kein liederlich verdächtiges Betragen, keine Mißbräuche und Unortnung, Unterschleiche zum Schaden und prothution der Gewerkschafft. Keine Verhezung und Zankereien gestatten, am wenigsten sich selbst in dergleichen mischen, sondern durch ungesäumte Anzeige, dem Bergverwalter, oder Geschworene nachricht davon zu geben. Nr.2 Muß der Obersteiger morgens früh 4 Uhr auf dem Zechenhauß sein, das Gebädt Christlich und fleißig halten, seine Arbeiter deutl. aus dem Schichten-Buch verleßen, die Schichten behörig auf Notiren,... In welchem Umfange der Gruben- und Hüttenbetrieb sich nach der Errichtung der Schmelzhütte im Jahre 1770 entwickelte, kann aus den Aufzeichnungen des Schiffers Nicolaus Hergenhan aus Balduinstein entnommen werden, der den Transport des erschmolzenen Bleies mit 2 Nachen auf der Lahn durchführte und dieses dann der Gewerkschaft in Rechnung stellte. So ergaben ab 1794 die Eintragungen: 1794 von Laurenburg nach Koblenz = 287 Block Bley 1795 von Laurenburg nach Diez = 570 Block Bley 1796 von Laurenburg nach Diez und Koblenz = 885 Block Bley 1797 von Laurenburg nach überwiegend Diez = 816 Block Bley 1798 von Laurenburg nach Diez und Koblenz = 935 Block Bley Der Transport des erschmolzenen Gutes erfolgte überwiegend auf dem Wasserwege, bis dann 70 Jahre später die neuerbaute Lahn-Eisenbahn einen Großteil des Transpores übernahm. Auch im Gelbachtal wurde der Abbau in größeren Teufen durch mehrere Stollen ermöglicht. Zur Wasserab- führung aus dem Feldteil Leopoldine Louise wurde der Lahnstollen in den Jahren 1836 bis 1846 angelegt. Der Auslauf in die Lahn erfolgte zwischen den Orten Obernhof und Kalkofen.
Im Jahre 1815 besuchte Johann Wolfgang von Goethe den “Bergcommisar” Schneider in Holzappel und auch den aufstrebenden Holzappeler Bergbau. Goethe war neben seiner Tätigkeit als Staatsminister in Weimar auch von 1776 bis 1812 Leiter des Ilmenauer Kupferschiefer-Bergbaues und verfügte daher über große geologische und mineralogische Kenntnisse. Folgende Eintragung befindet sich in Goethes Tagebuch: 23. 7. 1815 über Diez auf Holzappel, Bergcommisar Schneider, Gang nach der Schmelze, Mittag bey demselben. Freundliche Bewirthung, Verschieben der Gänge. Anderes Geologisches. Theorie des Gang-Verwerfens. Durch die Lahnschluchten nach Nassau. Bergwerksinspektor Ludwig Schneider, später Bergrat und Geheimer Hofrat, war Leiter des Holzappeler Bergwerksbetriebes und wohnte im heutigen Goethehaus in Holzappel. Er wurde am 23.03.1778 in Holzappel geboren, wo sein Vater auch schon Leiter des Holzappeler Grubenbetriebes war, er verstarb auch dort am 18.01.1848. Wegen seiner Kenntnisse des Gangbergbaues und der Verwerfungen der Gänge war er weithin bekannt und geschätzt. Goethe suchte Schneider deshalb auf, um Gespräche über diese Theorie mit ihm zu führen. Das heutige Goethehaus diente als Wohnhaus des Grubenverwalters. Die Grub- enverwaltung selbst und die Büroräume waren im jetzigen “Hotel” und im “Deutschen Haus” untergebracht. Die Belegschaft der Holzappeler Grube betrug zu dieser Zeit über 500 Mann, wovon etwa 150 unter Tage arbeiteten. Mit der Abteufung des Emma-Idaschachtes (am heutigen Haus Hütte 22) wurde 1822 begonnen, und bei der Teufe von 157m erreichte man die Sohle des Adelheidstollens. Die höher gelegenen Stollen wurden mit dem Schacht verbunden, der dann als Förderschacht eingerichtet wurde. Mittels Pferdegöbel kamen die Erze durch den Schacht zu Tage und mit Grubenwagen weiter zum Poch- und Waschwerk (unterhalb Haus Hütte 21). Aufgrund der guten Förderleistungen stiegen auch die erschmolzenen Erzmengen von Jahr zu Jahr an. Der Grubenbetrieb wurde erweitert, und es wurde 1844 mit der Niederbringung des Stephanschachtes begonnen. In diesen abgeteuften Schacht wurde 1853 die erste Dampffördermaschine eingebaut. Der Schacht erreichte eine Teufe von 714m auf der XVIII. Tiefbausohle und diente bis zur Stillegung der Grube als Hauptförderschacht. Für die technischen Erneuerungen im Hütten- und Grubenbetrieb wurde zunehmend mehr Wasser benötigt, was im Jahre 1846 zur Anlage des heutigen Herthasees mit einem Fassungsvermögen von 1/4 Million m³ Wasser führte. Im Jahre 1853 haben Erzherzog Stephan und sein Vetter Friedrich Peter von Oldenburg, die Nacherben von Fürst Carl Ludwig, den ertragreichen Bergwerks- und Hüttenbesitz an die “Silber- und Bleibergwerks AG Holzappel” verkauft. Vom Verkauf ausgenommen waren die Freikuxen der Esterau. Alle Mitgewerken waren zu Beginn des Jahrhunderts schon abgefunden worden. Die neuen Besitzer, ein Konsortium von Pariser Bankleuten und dem Kölner Bankhaus Julius Joest, leiteten umgehend eine völlige Modernisierung des Betriebes ein, indem sie neue Maschinenanlagen schufen und den Tiefbau verstärkt betrieben. Mit der Abteufung des “Mittelschachtes”, 95m westlich des Stephanschachtes, wurde 1855 begonnen und zwar gleichzeitig von Übertage als auch von der Sohle des Adelheidstollens aus. Dieser Schacht wurde ebenso wie der Stephanschacht bis zur XVIII. Tiefbausohle geführt. Er diente als Material- und Wetterschacht. Der Abstand von Sohle zu Sohle betrug 25m - 30m. Die Mächtigkeit des Hauptganges lag zwischen 0,5m und 1,50m; er führte in seinen bauwürdigen Teilen silberhaltigen Bleiglanz, Zinkblende, Spateisenstein, Kupfer- und Schwefelkies mit Quarz als Gangart. Kalkspat und Bitterspat kamen zusammen mit Rubinblende nur in Querklüften als junge Bildung vor. Über den Silbergehalt im Bleiglanz galt auf der Grube Holzappel die Erfahrung, daß er in den kleinkörnigen und schweifigen Arten am höchsten lag. Das Maximum von 1,5kg je t Haufwerk hat sich auf der II. Sohle in einem kurzen linsenförmigen Lager von 30cm Mächtig- keit gefunden. Im allgemeinen lagen die Werte zwischen 48 bis 55g Ag je t Haufwerk.
Die erhebliche Steigerung der Förder- leistung und des damit verbundenen größ- eren Verarbeitungsumfanges erforderte den Bau einer neuen Aufbereitungsanlage. Da sich auch durch die 1862 fertiggestel- lte Eisenbahnstrecke durch das Lahntal die Transportbedimgungen für den Holz- appeler Bergbau verbesserten, wurde 1866 mit der Erstellung einer neuen Auf- bereitungsanlage bei Laurenburg begonn- en. Die Beschickung erfolgte durch den Adelheidstollen über einen Schrägaufzug zum Scheidehaus hin. 1859 kaufte die Bergwerksgesellschaft das bisher von Beamten der Schaumburg- er Herrschaft bewohnte Schloß mit Schloßgarten in Laurenburg und verlegte nach umfangreichen Umbauarbeiten die Grubenverwaltung, das Büro und die Wohnung des Grubendirektors von Holz- appel nach dort. Die “Verwerfung” des Erzganges im Holzappeler Abbau, die ja auch Goethe schon interessiert hatte, wurde dem ersten Grubendirektor der neuen Gesellschaft, dem Franzosen Leon Duclock, zum Ver- hängnis. Hierzu gibt es folgende Aufzeich- nung: Nachdem aber die kostspieligen Arbeiten soweit beendet waren, ge- schah es, daß der bisher so vielver- sprechende Haupterzgang im Tiefbau
plötzlich in einer festen Grauwackenbank auskeilte, das heißt aufhörte, was dem damaligen Direktor Duclock solche Sorge bereitete, daß er sich aus Verzweiflung in der Laurenburger Aufbereitung erschoß. Auf dem Friedhof in Laurenburg fand er seine letzte Ruhestätte. Kaum acht Tage später hat man den Gang wieder in guter Beschaffenheit, 60cm mächtig, angetroffen. Bis zum Jahre 1872 hatte man die Sprengarbeiten mit Pulver ausgeführt, von da ab wurde das bedeutend bessere Dynamit benutzt. 1872 vereinigte sich die Silber- und Bleibergwerksgesellschaft zu Holzappel mit der Eschweiler Gesellschaft für Bergbau und Hütten in Stolberg zu der “Rheinisch-Nassauischen Bergwerks- und Hütten-AG”. Die Arbeitszeit im Bergbau betrug generell 8 Stunden. Im Frühjahr des Jahres 1887 hatte die Bergwerks- gesellschaft den bisherigen Schichtbeginn von 4Uhr auf 6Uhr verlegt. Diese Maßnahme stieß bei den Berg- leuten auf allgemeine Ablehnung, denn viele Bergleute suchten noch nach der Schichtarbeit auf der Grube einen kleinen Zuverdienst durch etwas Landbau. Durch diese Verschiebung der Arbeitszeit sahen die Berg- leute ihre Feldarbeit in Gefahr. Ein Schreiben der Bürgermeister des Bergreviers Holzappel-Laurenburg vom 6. Mai 1889 an die Bergwerksgesellschaft, das auszugsweise hier wiedergegeben wird, gibt Aufschluß über die damalige Situation: ...Hierdurch ist dem Bergmann die Möglichkeit genommen am Nachmitta- ge noch seinem, wenn auch geringen Feldbaue, nachzugehen, und sich hierauf noch etwas zu ver- dienen. Hierauf dürfte er aber um so mehr angewiesen sein, als der Verdienst des Bergbaues ihn allein nicht ernährt, ebenso wie er von seiner Landwirthschaft allein nicht leben kann; beides aber, der Verdienst auf der Grube und sein geringer Landbau lassen ihn bei großem Fleiß und gewissen- hafter Sparsamkeit sein nothdürftiges Auskommen finden... Aufgrund der zu erwartenden Notstände baten die Bürgermeister, federführend war Bürgermeister Güll aus Holzappel, um Rücknahme der Anordnung und Rückverlegung des Schichtbeginnes wieder auf 4Uhr früh. Die Bergbauverwaltung entsprach nicht diesem Dringlichkeitsgesuch der Bürgermeister. Sie begründete ihren Entschluß in einem Brief vom 24. Mai 1889, der hier auch auszugsweise wiedergegeben wird: ...Überall in ganz Deutschland, in manchen Bergbaudistrikten sogar auf Veranlassung der Oberberg- ämter, oder von Vereinen und Aerzten ist die Anfahrzeit aus Rücksicht auf die Gesundheit der Leute auf 6Uhr festgesetzt, weil dann der Mann ausgeruht an die Arbeit kommt, deßhalb mehr leisten kann und folglich mehr verdient; man hat die Erfahrung überall gemacht, daß die Bergleute häufig stun- denlang in der Grube schliefen und daß dadurch thatsächlich die 8stündige Schicht zu einer 6 oder weniger stündigen herunter gebracht wurde. Genau diese Erfahrung hat man in Holzappel gemacht; im Jahre 1888, in welchem in jedem um 6Uhr angefahren wurde, hat der Arbeiter viel mehr ver- dient, als im Jahre 1887 und 1886; er hatte eben als ausgeruhter Mann mehr Kraft ... So blieb es bei den 1887 eingeführten Schichtzeiten, nämlich für die Frühschicht von 6 bis 14Uhr, für die Nachmittagsschicht von 14 bis 22Uhr und für die Nachtschicht von 22 bis 6Uhr früh. Der Verdienst der Bergleute vor Ort, das sog. Gedinge, wurde zwischen ihnen und den zuständigen Steigern oder Fahrsteigern ausgemacht. Das Gedinge galt für ein Meter fertiggestellte Strecke, einschließlich Bohren, Schießen, Weg- räumen des gesprengten Materials und das Verlegen von Gleisen und Bewetterungsleitungen (Lutten). Zu diesem festgelegten Gedinge gehörten meist zwei bis drei Hauer. Die Festlegung wurde monatlich überprüft und gegebenenfalls neu ausgemacht. Die Zahl der Beschäftigten im Grubenbetrieb Holzappel erreichte Ende des vorigen Jahrhunderts ihren Höhepunkt. 1890 wurden bei der Holzappeler Knappschaft 831 aktive Mitglieder, 99 Invaliden, 228 Witwen und 186 Waisen geführt. Aus einem großen Einzugsgebiet, das vom Trierschen jjenseits des Gelbachtales bis zum Katzenelnbogschen jenseits der Lahn reichte, kamen die Bergleute nach entsprechend langen Fußmärschen, die je nach Entfernung bis zu 1 1/2 Stunden betrugen, zur Schicht auf Grube, Hütte und Aufbereitung. Der Bedarf an Arbeitskräften konnte jedoch aus diesem Bereich nicht gedeckt werden. Da zudem noch etliche Bergleute wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten nach Lothringen abwandert- en, wurde die Belegschaft ergänzt durch Arbeitskräfte aus Italien und Österreich und sog. “Sachsengänger”. Den amtlichen Anmeldungen zufolge lebten im Jahre 1900 z.B. allein in der Gemeinde Dörnberg 79 Italiener. Auf der “Hütte” wurde die sog. “Menage” (Schlafhaus/ Verpflegungsstelle für auswärtige und alleinstehende Bergleute) und außerdem ein Krankenhaus zur Behandlung leichter Erkrankungen und klein- erer Verletzungen eingerichtet. Die notwendige ärztliche Betreuung wurde, da hier kein betriebseigener Arzt zur Verfügung stand, von den in Holzappel ansässigen praktischen Ärzten wahrgenommen. Vor der Unter- bringung in der “Menage” waren die auswärtigen Arbeiter unter dem Dache des Aufbereitungsgebäudes (unterhalb Haus Nr. 21) in sechs Schlafsälen mit je 12 bis 15 Betten einquartiert. Von 1892 bis zum Jahre 1904 wurden ein größerer Umbau und eine Erweiterung der Aufbereitungsanlage in Laurenburg durchgeführt, auch die 1,4km lange Seilbahnverbindung zwischen den Schachtanlagen über das Bergerfeld zur Klaube-Anlage wurde gebaut.
Die Holzappeler Hütte, deren gewinnträchtige Tätigkeit den großen Aufschwung des Grubenbetriebes herbeigeführt hat- te, wurde um 1900 stillgelegt. Alle zumBetrieb gehörenden Gebäude und Einrichtungen wurden nacheinander abgebro- chen. Die aufbereiteten Erze wurden fortan nach Bad Ems transportiert und auf der Emser Hütte geschmolzen. Nach deren Schließung im Jahre 1925 gingen alle aufbereiteten Erze von Laurenburg aus direkt zur Verhüttung nach Stol- berg bei Aachen. Auf dem ehemaligen Gelände des Hütten- betriebes ist im Laufe der nächsten Jahre eine ansprechende Wohnsiedlung für Bergleute und Grubenangestellte entstand- en. Es ist der heutige Ortsteil Dörnberg-Hütte. Im Jahre 1908 baute die Gemeinde Dörnberg mit erheblich- en Zuschüssen der Grubengesellschaft für die große Anzahl der schulpflichtigen Kinder eine einklassige Volksschule, die “Hüttenschule”, die in manchen Jahren von bis zu 60 Kindern besucht wurde. Das Jahr 1921 brachte für den Grubenbetrieb wesentliche technische Verbesserungen, denn die Aufbereitung wurde elektrifiziert, und beim Abbau wurde der Bohrhammerbetrieb eingeführt.
Im Jahre 1926 erfolgte ein endgültiger Zusammenschluß der Rheinisch-Nassauischen Gesellschaft und der Stolberger Gesellschaft in Aachen unter der Bezeichnung “Stolberger Zink”. Von 1760 an verlief der Grubnbetrieb ohne Unterbrechung, wenn auch mit großen Schwankungen, bis zum Juni des Jahres 1930. Dann aber fiel die überalterte und in allen Teilen überholungsbedürftige Gesamtanlage nichtnur dem beginnenden Preisverfall an den Metallmärkten zum Opfer, sondern auch die innerbetrieblichen Kosten und die in diesen Jahren geringen Förderleistungen waren ausschlaggebend für die sich zwangsläufig ergebende Stundung (Einstellung) des Betriebes. So wurde der Förderbetrieb eingestellt, doch Wasserhalt- ung und notwendige Instandhaltungsarbeiten wurden aufrechterhalten. Am 2. April 1931 legte man dann auch die Aufbereitung Laurenburg still und kündigte deren Belegschaft zum 01. Mai 1931. Ein Teil der in Holzappel arbeitslos gewordenen Bergleute wurde von der Grube Mercur in Bad Ems übernommen, jedoch zu einem geringeren Schichtlohn als bisher. Im Herbst 1931 wurden dann auch diese 180 Arbeiter entlass- en, sodaß damit alle ehemals in Holzappel beschäftigten Bergleute erwerbslos waren. Für die Bergleut und ihre Familien brach eine arme, entbehrungsreiche Zeit an. “Die Not, die herrscht, ist nicht zu beschreiben” meldet die Scheidter Schulchronik. Die Gackenbacher Schulchronik schreibt, daß damit der größte Teil der Dorbewohner erwerbslos geworden sei, und die Horbacher Schulchronik spricht von 20 erwerbslosen Bergleuten und fügt hinzu:” Wenn man auch von jeher gewünscht hatte, daß die Grube nicht wäre, so ist es ja zur jetzigen Zeit hart, erwerbslos zu sein”. Dieser Eintrag spiegelt wieder, daß der Bergmannsberuf eine sehr harte Arbeit abverlangte und man lieber einer leichteren Tätigkeit nachgegangen wäre, wenn hierzu irgendeine Möglichkeit bestanden hätte.Hinzu kommen noch die gesundheitlichen Schäden. So war von der Stillegungder Grube Holzappel das ganze Umfeld wirtschaftlich hart betroffen. Im Juni 1933 lief der Betrieb auf Grube und Aufbereitung wieder an. Zwei Jahre später erfolgten ein voll- ständiger Umbau und eine Modernoisierung der Grubenanlage über und unter Tage. Die Dampferzeugung für Fördermaschinen und Kompressoren wurde eingestellt, der gesamte Betrieb auf Elektrizität umgerüstet. Der Stephanschacht erhielt ein neues freistehendes Fördergerüst (bis dahin liefen die Förderseile in einem geschlossenen Gebäude) sowie eine neue Fördermaschine, deren Leistung von 655PS eine Seilfahrt von 10m/sec und bei Materialförderung von 14m/sec mit 4etagigen Förderkörben ermöglichte. Ein neuer Blindschacht wurde von der XVIII. bis zur XXV. Tiefbausohle niedergebracht (Blindschacht 1 a) und mit einer Fördermaschine ausgerüstet, deren Seilgeschwindigkeit 6m/sec betrug. Die Grube Leopoldine-Louise im Gelbachtal wurde durch den neuen Otto-Wolff-Stollen und den Otto-Wolff-Schacht über die XVIII. Tiefbausohle an die Grubenbaue von Holzappel angeschlossen. Aufgrund dieses Durchschlages war der Erztransport zum Hauptförderschacht möglich. Eine besondere Bedeutung gewann dieser Verbund durch die auf diese Weise möglich gewordene bessere Bewetterung und damit Senkung der Untertagetemperatur von 32 auf 26 Grad/C. In diesen Jahren baute man auch die sozialen Einrichtungen für die Berglaute aus. Eine neue und größere Waschkaue entstand, neuere und größere Werkstätten wurden gebaut, eine Küche für die Mittagsverpfleg- ung der über Tage Beschäftigten wurde eingerichtet. Im Zuge der Modernisierung wurde die Erzaufbereit- ung mehr und mehr der Zentralaufbereitung in Bad Ems übertragen, was zwangsläufig zur Reduzierung des Aufbereitungsbetriebes und zur Herabsetzung der Belegschaftsstärke von 90 auf 22 Mann in der Aufbereit- ung von Laurenburg führte. Bis zum Kriegsende 1945 war die Grube voll in Betrieb, doch dann zwangen die äußeren Umstände und der Ausfall der staatlichen Hilfe zur Stundung des Betriebes. Im Juli 1947 wurde die Arbeit wieder aufgenommen und erneut mit der Förderung begonnen. Die sich anbahnende Normalisier- ung der industriellen Nachfrage nach Metallen und die starken Preissteigerungen infolge der allgemeinen Rohstoffenge waren der Anlaß zur erneuten Betriebsaufnahme der Grube. Die Produktion war aber nicht mehr kostendeckend. Lediglich der Gewinn aus verarbeitetem Haldenmaterial führte zu einem geringen Überschuß. Unter Tage wurden nochmals neue Vortriebe angesetzt, und Untersuchungen nach abbau- würdigen Lagern mit modernsten Geräten wurden durchgeführt. Die Vortriebe und der sich ergebende Ab- bau erstreckten sich in den Jahren 1950 bis 1952 auf Orte zwischen der XVI. und XXIII. Tiefbausohle im Westfeld. Man kam aber schon bald zu der Erkenntnis, daß die Erzgänge zur Teufe hin immer mehr ver- taubten und in Quarz übergingen, was dann Mitte des Jahres 1952 zu dem Entschluß führte, die Grube Holzappel wegen Erschöpfung der Erzgänge endgültig stillzulegen. Die Belegschaft bestand zu diesem Zeit- punkt noch aus 350 Personen. Vermerke von Obersteiger H. Hatzmann vom Juli 1952 lauten: Untersuch- ungsarbeiten wurden eingestellt, die Resterze abgebaut; letzter Abbau - Abbau 17, XVI. Sohle, Westen. Letzter Schuß am 22. Juli 1952. Letztmaliger Lauf der Seilbahn von der Grube zur Aufbe- reitung am 29. Juli 1952. Danach wurde mit dem Ausbau und mit der Demontage des noch wertvollen Materials begonnen. Am 4. November 1952 wurde letztmalig gepumpt. Nach fast genau zwei Jahren lief dann das Wasser aus den Grubenbauen durch den noch offenen Lahnstollen zwischen Obernhof und Kalkofen in die Lahn aus. Am 10. März 1955 wurde der Förderturm des Stephanschachtes gesprengt, womit das bisherige Wahrzeichen der Grube aus dem Landschaftsbild verschwunden war. Eine sehr ergiebige und traditionsreiche Erzgrube im unteren Lahngebiet hatte damit ihr Ende gefunden. Insgesamt waren in den 200 Jahren Betriebstätigkeit der Grube aus den geförderten Erzen folgende Konzentratmengen erschmolzen worden: Insgesamt 216720t Bleiglanz, 754700t Zinkblende und 5,5t Silberglanz.

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