Hirschberg

Hirsch im Wappen Aus der Vergangenheit Hirschbergs
Wer von den Höhen des mittleren Westerwaldes oder des Einrichs seine Blicke lahnwärts schweifen läßt, sieht aus der Landschaft der unteren Lahn einen wuchtigen, tannengekrönten Bergkegel emporragen. Dieser Berg wurde in alten Zeiten Hirtzberg und erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts Höchst genannt. Letztere Bezeichnung verdankt er dem Umstand, daß er mit seinen 444m der höchste Berg im früheren Unterlahn- kreis war, erstere seinem Wildreichtum, besonders an Hirschen, die von altersher hier in seinen ausgedehn- ten Waldungen ihre Standquartiere hatten. Der Name des Berges wurde dann auf das an dem Fuße seines Osthanges wohl zur Zeit der fränkischen Herrschaft gegründete Dorf übertragen.
Eine sich um die Person des heiligen Lubentius, des Apostels des Lahngaues, rankende Legende gibt zu dieser Namensbildung eine andere Begründung. Um die heidnischen Germanen zum Christentum zu bekehren, kam Lubentius bei seiner Wanderung durch den Lahngau auch in unsere Gegend. Unsere Vorfahren hatten damals in der Senke zwischen Höchst und Mühlberg an der heutigen Straße Holzappel/ Diez ihre Malstätte, ihen heiligen Hain, wo sie ihren Göttern huldigten und unter einer alten Eiche Gerichtb hielten. Unter dieser Eiche predigte Lubentius den Versammelten das Evangelium von Christus und bekehrte sie. Hier errichtete er alsdann das Wahrzeichen der Christen, ein hölzernes Kreuz. Noch heute wird diese Stelle die ,,Kreuzeiche” und der von Geilnau heraufführende Pfad ,,Götzenhainspfad” genannt. An der nahen Quelle, dicht unter dem heutigen Dorfe, taufte Lubentius seine neuen Anhänger und pflanzte auch hier das Christkreuz auf. Die heutigen Flurnamen “Kreuzborn” und “Kreuzwiesen” halten die Erinnerung an die einst hier vorgenommenen heiligen Handlungen wach. Der aus dieser Quelle entspringende Bach wurde Tiofbach- Taufbach (heute Daubach) genannt. Wenn wir die Frage nach dr Gründungszeit Hirschbergs beantworten wollen, so kann dies nur im Zusammenhang mit der Errichtung der alten Kapelle geschehen. Diese ist nachweislich um 1400 erbaut worden. Die Vorliebe der christlichen Missionare, bei oder in der Nähe der ehrwürdigen Kultstätten Kapellen zu errichten, ist wohl der Grund für den Standort und verhältnismäßig frühen Bau des Hirschberger Gotteshauses gewesen. Ein untrüglicher Zeuge für das hohe Alter dieser Kirche ist die aus dem Jahre 1409 stammende Glocke, die heute den Turm der neuen Kirche ziert. Das Dorf selbst, das im Jahre 1395 zum erstenmal urkundlich erwähnt wird, ist wohl einige Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte früher entstanden. Hirschberg gehörte von Anfang an zur Grafschaft Diez, die wegen ihrer Fruchtbarkeit auch die “Güldene Grafschaft” genannt wurde. Das Schicksal des Ortes ist deshalb unlöslich mit dem der Grafschaft verknüpft. Während Diez ein Teil des fränkischen Niederlahngaues war, zählten die Nachbardörfer der Esterau zum Engersgau. Die Grenze zwischen dem Niederlahngau und dem Engersgau führte von der Lahn am Daubach entlang und strich dann östlich am Höchst vorbei ins Gelbachtal. Die Hirschberger Kapelle stand auf dem Gelände des heutigen Pfarrgartens und des oberen Friedhofes. Wegen Baufälligkeit mußte sie 1871 abgerissen werden. Bis zum Bau der neuen Kirche im Jahre 1892 wurde der Gottesdienst im Schulsaal abgehalten. Als Schulhaus diente im 17. und 18. Jahrhundert ein einstöckiges Gebäude, ab 1800 ein zweistöckiges Wohnhaus. 1827 zogen Lehrer und Kinder in den Gemeindesaal beim Backhaus um. Schon bald erwies sich dieser Saal als zu klein, und so entstand 1834 ein Schulhaus mit Lehrerwohnung in der Ortsmitte an der Hauptstraße. 1928 wurde die neue Volksschule unter- halb der Kirche gebaut, die ihren Zweck bis in unsere Zeit erfüllte. Seit 1969 besuchen die Hirschberger Kinder die Esterauschule, die gemeinsame Grund- und Hauptschule in Holzappel. Wie die meisten Städte und Dörfer in Deutschland hatte auch Hirschberg unter den Drangsalen des 30. jährigen Krieges zu leiden. Besonders schwer heimgesucht wurde das Dorf 1645. Die aus Spaniern und Kaiserlichen bestehende Besatzung von Hammerstein fiel in der Grafschaft ein. ,, Sie raubte in Hirschberg den verarmten Einwohnern nicht nur jegliches Vieh, sondern auch alle Lebensmittel, so daß sie in die Nachbardörfer betteln gehen mußten, um nicht zu verhungern”. Nach mündlichen Überlieferungen mußten sie Äcker und Wiesen in Tausch geben, um in den Besitz der notwendigen Lebensmittel zu gelangen. Damit wäre wohl auch die Frage beantwortet, wie es kommt, daß die Gemarkung Langenscheid bis dicht an den Dorfrand Hirschbergs reicht. Die Stürme des 30.jährigen Krieges haben mit großer Wahrscheinlichkeit nur drei Häuser in Hirschberg überstanden. Als das zur Zeit Älteste ist das Haus Nothdurft an der Hauptstraße anzusehen, das anfangs des 19. Jahrhunderts eine Gastwirtschaft war. Darin soll sich folgende ergötzliche Geschichte zugetragen haben: Einst kehrte der Räuberhauptmann Schinderhannes <http://www.net-art.net/kropp/schind.htm> hier ein, um sich an einem Hirschberger Schnaps zu stärken. Es dauerte nicht lange, da ritt ein Gendarm vor, sprang ab und band sein Roß an den alten Birnbaum vorm Haus. Dann trat er ein, bestellte sich auch ein Viertelchen und begann, sich mit dem Wirt zu unterhalten. Schinderhannes mischte sich auch in das Gespräch ein, und als sie auf den Räuberhauptmann zu sprechen kamen, schimpfte er gotteslästerlich über ihn. Nach geraumer Zeit begab er sich hinaus auf den Hof, band rasch das Pferd los und schwang sich auf dessen Rücken. Als der Gendarm das merkte, riß er verdutzt das Fenster auf und fuhr ihn wütend an , was das zu bedeuten hätte Ganz gelassen erwiderte der Räuber:,, Wenn du den Schinderhannes suchst, hier ist er!” Dann ritt er eiligst davon und hinterließ dem Gendarm den Spott der Bervölkerung. Eine andere Begebenheit von ortsgeschichtlicher Bedeutung soll hier festgehaltenm werden. Als im Jahre 1848 die Revolution im Herzogtum Nassau ausbrach, zog ein bewaffneter Haufen Unzufriedener nach Wiesbaden und verlangte drohend vom Herzog Adolf die Bewilligung folgender Forderungen: Pressefreiheit, Volksvertretung, Selbstverwaltung der Gemeinden, Aufhebung der Standesvorrechte, allgemeine Volksbewaffnung und Erklärung der Domänen als Staatseigentum. Der Herzog, der ein Blutvergießen vermeiden wollte und wohl auch um sein Leben bangte, bewilligte vom Balkon seines Schloßes alle diese Forderungen der Aufständischen. Als die Kunde davon nach Hirschberg kam, griffen die landhungrigen Bauern nach Axt und Säge und hieben den an der Straße nach Eppenrod gelegenen, ungefähr 9 Hektar großen Staatswald ab. Im nächsten Jahr sollten sie für diese Eigenmächtigkeit zur Verantwortung gezogen werden. Sie fanden aber in der Person des Bürgermeisters Hubert einen mutigen und klugen Anwalt, der die Verhandlungen mit der Regierung so zu drehen verstand, daß die Bauern straflos blieben und das Land Eigentum der Gemeinde wurde. Es führte hinfort den Namen ,,Freiheitsfeld”. Nur eine jahrhundertealte, mächtige Buche blieb bei der Rodung verschont. Unter dem Namen ,, Freiheitsbuche” hat sie bis 1922 dort gestanden. Auf dem Stamm stand deutlich eingeschnitten:,, 1848 gegann die Freiheit, 1849 hörte sie auf. Herborn, Schäfer.” In den beiden Weltkriegen mußte die Gemeinde einen hohen Blutzoll entrichten. Im ersten Weltkrieg hatte sie sieben, im zweiten zehn Gefallene, sieben Vermißte und drei Verschollene zu beklagen. Ihnen zu Ehren hat die Gemeinde auf dem Friedhof ein Denkmal errichtet, auf dem die Namen dieser unvergeßlichen Kriegsopfer eingemeißelt sind. Die Einweihung erfolgte am Totensonntag 1956. Über den wirtschaftlichen Stand des Dorfes um 1800 gibt Pfarrer Steubing folgenden Bericht:,, Alle Gebäude des Orts, 62, sind mit 6510 fl. assekuriert. Die Dorfgemarkung machen aus: 234 Morgen 56 Ruthen Ackerland, 105 Morgen 129 Ruthen Wiesen und 4 Morgen Unbrauchbares. Es wachsen hier alle Sorten von Getreide, auch Obst von aller Art, welches letztere nicht selten sehr gut geräth. Besonders hat das Dorf in seiner Gemarkung sehr schöne, ihm eigne Waldung, womit es sich auch von seinen Gemeindeschulden gerettet hat. Die Stallfütterung ist hier wie im ganzen Dietzischen durch den Anbau von Klee eingeführt. Hier ist der Viehstand dermalen 2 Pferde, 3 Füllen, 21 Zugochsen, 44 Kühe, 25 Rinder, 30 Schweine.” Seit dieser Zeit hat sich vor allem der Obstanbau stark entwickelt. Die Landwirtschaft hat an Bedeutung verloren. Heute nutzt Hirschberg seine schöne Lage auch für den Fremdenverkehr.

 



 

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